Forderung

Jährlich sterben zwischen 63 und 273 Millionen Haie[1] durch die Fischerei. Dabei sind diese Zahlen vermutlich untertrieben, da es an verlässlichen Daten fehlt und die weltweite Dunkelziffer durch illegalen Fang extrem hoch ist. Gejagt werden Haie weltweit besonders wegen ihrer Flossen. Diese werden vor allem im asiatischen Raum als Haiflossensuppe verzehrt. Für die vermeintliche Delikatesse mit wenigen Gramm Flossen werden bis zu 90€ verlangt.[2] Ein extrem lukratives Geschäft mit gewaltigen Gewinnmargen auf Kosten der Haie!

Die Flossen werden oft auf grausame Weise durch “Finning” gewonnen. Finning bedeutet, dass den Haien auf See die Flossen abgeschnitten werden, wobei das Tier noch am Leben sein kann. Die Körper der Haie werden anschließend über Bord geworfen, da ihr Fleisch verglichen mit den Flossen nahezu wertlos ist. Ohne Flossen sinken die Haie auf den Meeresgrund, wo sie ersticken, verbluten oder lebendig gefressen werden.

Dieses Flosengeschäft wird auch aus Europa bedient.

Seit 2013 verbietet die „Fins Naturally Attached“ Verordnung der Europäischen Union[3] ausnahmslos das Aufbewahren, Umladen und Anlanden jeglicher Haiflossen in EU-Hoheitsgewässern und auf allen EU-Schiffen. Die Flossen müssen noch auf natürliche Weise mit dem Tierkörper verbunden sein, wenn das Schiff im Hafen entladen wird. Danach können die Flossen vom Tier abgetrennt und nach Asien exportiert werden.

Dabei ist Spanien einer der Weltmarktführer: Allein im Jahr 2016 wurden von Spanien offiziell 29.000 Tonnen Blauhai, das entspricht etwa 1 Million Tieren[4], angelandet. Trotz zunehmender Bedrohung[5] hat sich beispielsweise die gesamte Fangmenge an Blauhai im Atlantik gegenüber dem Anfang des Jahrtausends fast verdoppelt. Zusätzlich werden weitere Haiarten, darunter stärker bedrohte Arten wie der Kurzflossenmako und der Heringshai, in Europa gefischt.

Dieser Fang lohnt sich fast nur für die Flossen. Aus der EU wurden pro Jahr durchschnittlich knapp 3 500 Tonnen Flossen mit einem Gesamtwert von etwa 52 Millionen Euroexportiert.[6] Weil auch in Europa die Fangschiffe auf See kaum kontrolliert werden können, kann niemand mit Gewissheit sagen, wie viele Haiflossen noch immer illegal in Europa angelandet werden.[7]

Weltweit ist die Situation beim Handel mit Haiflossen noch brisanter. Nur wenige Staaten haben ein “Fins Naturally Attached”- Gesetz erlassen (z.B. USA, Kanada, Indien, Südafrika). In vielen Ländern ist Finning sogar weiterhin erlaubt. Daher gibt es auf dem weltweiten Markt noch immer ein riesiges Volumen an Flossen, deren Herkunft nur selten nachvollziehbar ist.[8] Diese dürfen dennoch völlig legal in und über Europa gehandelt werden.

In der bisherigen “Fins Naturally Attached“- Verordnung heißt es: „Haie stellen keine traditionell europäische Speise dar, doch sie sind ein nötiges Element der Europäischen marinen Ökosysteme.“ Es wird Zeit, in Europa endlich konsequente Maßnahmen für den Schutz der Haie und unserer Ozeane zu ergreifen! Deshalb bitten wir Sie, diese Gelegenheit zu unterstützen, um die Gesetzgebung in der Europäischen Union anzupassen und unsere Meere besser zu schützen.

Unterstützen Sie uns unter www.stop-finning.eu

[1]    IUCN Shark Specialist Group, Frequently Asked Questions: Sharks, Rays, and chimaeras; https://www.iucnssg.org/faqs.html.
[2]    Kimley, Peter A. Peter, The Biology of Sharks and Rays, 2013, S. 451.
[3]    REGULATION (EU) No 605/2013 OF THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL of 12 June 2013.
[4]    Bericht der Knorpelfisch-Arbeitsgruppe des International Council for the Exploration of the Sea (ICES), 2018. Für die Berechnung der Anzahl Tiere wurde ein durchschnittliches Gewicht von etwa 30 Kilogramm pro Blauhai angenommen.
[5]    IUCN Einstufung als “Near Threatened” / “an der Grenze zu bedroht” auf https://www.iucnredlist.org/species/39381/48924261.
[6]    Felix Dent, Shelley Clarke; State of the global market for shark products;FAO FISHERIES AND AQUACULTURE TECHNICAL PAPER 590; Rom 2015; Seite 71ff.
[7]    Beobachterquote auf spanischen Langleinenflotten die im Atlantik Schwertfisch und Blauhai fangen beträgt lediglich 1-3%;  North and South Atlantic swordfish Spanish longline fishery; MSC Public Comment Draft Report, Volume 1; October 2016; Seite 44 pp .
[8]    Einmal vom Körper getrennt, lässt sich kaum noch feststellen, von welchem Tier die Flosse stammt. Ebenso betroffen wie die Haie sind deshalb übrigens auch Rochen: Wainwright, B.J., Ip, Y.C.A., Neo, M.L. et al. Conserv Gene, DNA barcoding of traded shark fins, meat and mobulid gill plates in Singapore uncovers numerous threatened species, 2018.